Hier mal ein kurzer Abriß von meinem aktuell gespielten PS2-Game: The Bard´s Tale. Vorweg nur eins: es ist NICHT ein neu aufgelegtes Bard´s Tale 1,2 oder 3, sondern ein eigenständiges Spiel mit eigenem Handlungsstrang, der - soweit ich weiß - nichts mit dem Klassiker zu tun hat. Möglicherweise sind einige Hinweise auf die alten Spiele versteckt (gabs da einen Orkneydrachen?).
Sehr linear und an sich selbsterklärend ist The Bard´s Tale eins der Spiele, die mich vorm Monitor (bzw. Fernseher) so richtig fesseln können (die Ansiedlung im gälischen bzw. keltischen Raum, zumindest von der Namensgebung der Charaktere her, tut da ihr übriges) . Noch hab ichs nicht durch (bin bei 17h), aber die Handlung und die Dialoge sind wirklich Klasse! Witzig, der Barde selbst wird in der deutschen Version von Oliver Kalkofe gesprochen, zynisch und absolut köstlich sind die Sequenzen bzw. Gespräche, die vor Hohn teilweise nur so triefen. Es wird nicht ein typisches Rollenspielklischee ausgelassen: von der Ratte, die man zuerst im Keller unter der Bar als erste Quest plätten muss bis zum Wolf, in dessen Magen sich Schmuck, Küchenuntensilien und kleinere Schätze finden lassen kann man sich vor dem Monitor kaputtlachen oder wenigstens dick grinsen. Dabei gibts auch so manche Anspielung auf zwischenmenschliche Klischees wie kreischende Barmaiden, nur weil eine Ratte im Raum ist (nein, die hat der Barde nicht grad beschworen - neeeee) oder die Reihenfolge, in der der Barde seine Belohnung für die Rettung der Welt erhalten will (Wein, Weib und Gold... oder doch eher erst das Weib? hmm....).
Leider hab ich einige Quests anfangs verpaßt, wobei mir ein paar Artefakte und Waffen entgangen sind, von denen man aber eh nur 5 haben kann: Breitschwert, Dolch, 2-Händer, Morgenstern und Bogen. Wird eine bessere Waffe einer Klasse gefunden, versilbert das Spiel automatisch die alte. Genauso läufts mit allen gefundenen Gegenständen, man kann sich also das ständige Gerenne in den Laden sparen. Ferner hat der Barde noch ein Musikinstrument, welches genau wie die Waffen einfach aufgewertet wird wenn man ein besseres findet. Mit der Harfe (oder Flöte oder Laute oder was-auch-immer) kann man dann bis zu 4 Kreaturen beschwören. Vom eigennützigen Söldner/ weichbirnigen Ritter über häßliche Heilerin/ dummschwätzenden Fallensucher bis hin zum lallenden Leibwächter/ geringschätziger Gaunerin kann man aus 4 Kategorien je 4 Unterstützer wählen. Mana generiert das Instrument.
Womit wir bei den Attributen wären, meiner Meinung nach das Einzige, was The Bard´s Tale von nem richtigen RPG unterscheidet: Level-Obergrenze ist 21 und Attributsgrenze ist 20. Da man aber genug Artefakte findet, die ATT verbessern, kann man getrost alles ein bissl steigern. Pro Level gibts eh nur 2 Punkte, Wert wurde bei diesem Spiel ganz eindeutig mehr auf den Spaß an der Handlung und an den Dialogen gelegt als auf Wiederspielbarkeit und Vielseitigkeit.
Ich kanns wirklich jedem Rollenspielfan nur wärmstens ans Herz legen und sagen: "Auf die Gurke, Schurke!"
Aufgrund seiner blendenden Lokalisierung, schreienden Komik und dem zynischsten Humor in einem RPG kriegts dann auch von mir ganze 9 von 10 Funpoints. Den Zehnten nur nicht, weil es mir wirklich zu kurz ist, mit 17h bin ich fast durch.
